Ein Must See am Mittelmeer: Albanische Berg- und Strandwelten

Wandern albanische Alpen

Bei Albanien denken die wenigsten an ein Mittelmeer-Reiseland. Ist es aber und wird es in den nächsten Jahren bestimmt immer mehr werden. Wer also auf der Suche nach einem Geheimtipp mit einsamen Stränden und herrlichen Bergwelten ist, der hat noch ein wenig Zeit dieses wunderbare Land zu erkunden. Ich habe zusammen mit meinem Mann schon 2013 eine Balkantour gemacht, die uns auf dem Weg nach Griechenland auch mehrere Tage durch Albanien führte. Von unseren albanischen Erfahrungen und Eindrücken möchte ich euch hier in der Hoffnung berichten, dass sich auch andere Mittelmeer-Abenteurer auf den Weg in eines der unbekanntesten Länder Europas machen.
Etwas sehr Auffälliges in Albanien sind die Bunker. Überall stehen sie in der Gegend herum. Die Bunker, die so vielzählig sind, dass die gesamte albanische Bevölkerung hinein passen soll, sind ein Ergebnis der langen Isolation Albaniens von der Weltgemeinschaft. Enver Hoxhas regierte das Land von 1944-1985 autokratisch und entwickelte die Paranoia, dass wahlweise die Russen, die Chinesen oder die Amerikaner das Land angreifen werden. Das hat dazu geführt, dass Albanien mit Bunkern überzogen wurde und über viele Jahre hinweg weder jemand in das Land hinein, noch einer aus dem Land heraus kam. Deshalb gibt es in Albanien noch viele endemische Tier- und Pflanzenarten (was wiederrum eine einigermaßen merkwürdige Leute wie Hobby-Schmetterlingsforscher nach Albanien verschlägt). Durch die langanhaltende Isolation auch von der Weltwirtschaft gehört das Land zu den strukturschwächsten und ärmsten Regionen Europas. Allerdings ist ein Enthusiasmus unter den mehrheitlich jungen Albanerinnen und Albaner zu verspüren, der zusammen mit einem neuen von Auslandsalbanern angekurbelten Bauboom eine aufstrebende Zukunft verspricht.
Wir sind über Montenegro nach Albanien eingereist. Allerdings nicht ohne in Herceg Novi auf Empfehlung eines Freundes die besten Cevapcici des Balkans verdrückt zu haben. Das leckere Hackfleischgericht wird mit jeder Menge Krautsalat serviert. Die Einreise mit dem Auto ist für deutsche Staatsbürger völlig problemlos und entgegen wilder Erzählungen auf asphaltierten Straßen möglich. Unsere erste Station haben wir in der nordalbanischen Stadt Shkoder in einer wunderschönen Pension gemacht, wo ausschließlich traditionelles Essen (z.B. Schmorlamm mit Pflaumen) auf den Tisch kommt. Die Pension (http://www.hoteltradita.com/) dient gleichzeitig als eine Art Volkskundemuseum. So bekommt man sofort einen authentischen Eindruck vom Land, der die vielen Vorurteile, die wir mit im Gepäck eingeschleppt hatten, schnell vergessen ließ. Von dort aus sind wir aufgebrochen nach Theti – ein Tal in den albanischen Alpen. Albanien hat eine wunderschöne Bergregion, die von Barbara – einer sehr sympathischen Schweizerin (wir haben sie zufällig dort getroffen) – und mit Hilfe eines Entwicklungsprojektes der deutschen GIZ mit unzähligen markierten Wanderrouten ausgestattet ist. Allerdings muss man das eigene Auto, sofern es sich nicht um einen 4by4 handelt, stehen lassen und auf einen der vielen Allrad Minibusse umsteigen. Das Tal, in dem wir mehrere Nächte im Gästehaus einer albanischen Familie übernachtet haben, gehört zu einer abgelegenen Region (es gibt hier übrigens überall bessern Internet- und Handyempfang als in manchen Teilen von Berlin!). Als das Land von den Osmanen besetzt wurde, haben sich einige Albaner in diese Bergregion zurückgezogen. Im Rahmen des GIZ-Projektes soll sanfter Tourismus gefördert werden, der die Entwicklung der Region voranbringt und gleichzeitig die atemberaubend schöne Natur mit den 2700m hohen Berggipfeln erhält. Wir haben die Kontaktdaten einer Familie in Theti von einer Freundin, die im Projekt gearbeitet hat, erhalten und sind für ein paar Nächte in ein traditionelles Wohnhaus mit Küche im Garten (siehe Foto) gezogen. Kontaktmöglichkeiten findet man online über die Seite der Deutschen Botschaft in Tirana (http://www.tirana.diplo.de/contentblob/1679128/Daten/106050/Download_gtz_theth.pdf) und auch im erhältlichen Wanderführer Nordalbanien (Autoren: Christian Zindel & Barbara Hausammann).
Dann sind wir zwei Tage lang losgewandert: zu imposanten Wasserfällen, durch Flussbetten hindurch und über Bergwiesen, die derart mit Heilkräutern bewuchert waren, dass es dort so gerochen hat, wie die Ricola-Lutschpastillen schmecken. Wir können jedem, der gerne wandert und ein bisschen Lust auf Abenteuer hat, die Reise in die albanischen Alpen nur nachdrücklich empfehlen.

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Nach den Bergen mussten wir natürlich unbedingt noch für ein paar Tage ans Meer. Und auch hierfür bietet Albanien mehrere 100km lange, teilweise bebaute und teilweise völlig einsame Strände. Man benötig gutes Straßenkartenmaterial, weil die Beschilderung teilweise etwas irreführend ist und man sollte auch auf den kurzen Autobahnstrecken (die Straßeninfrastruktur wird gerade erst aufgebaut) nicht zu schnell fahren, denn es gibt immer mal wieder Straßenschäden. Wir haben uns für die letzten albanischen Tage für einen wunderschönen kleinen Naturcampingplatz in Himare – in Südalbanien – entschieden, wo man mit Blick auf das Meer aufwachen, frühstücken und auch wieder einschlafen kann. Auf dem Weg nach Griechenland haben wir uns noch die Stadt Gjirokaster angeschaut, die seit 2005 zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Es ist eine alte Handelsstadt, deren Häuser an extrem steile Hänge gebaut wurden und wegen der vielen kriegerischen Auseinandersetzungen in dieser Gegend mehr Wehr- als Wohnhäuser sind. Gjirokaster ist ein schönes kleines Städtchen mit engen Gassen und etwas verfallenem Flair. Wir würden uns allerdings für die Zukunft wünschen, dass Teile der Stadt restauriert werden und die Sehenswürdigkeiten für Besucher besser zugänglich wären. Wir haben uns manchmal etwas verloren gefühlt und haben deshalb auch keinen größeren Stopp in der Stadt gemacht, sondern sind nach einer kurzen Besichtigungstour weiter nach Hellas gefahren. Wir können Albanien allen Mittelmeerliebhabern nur wärmstens ans Herz legen. Sicher wird auch der moderne Massentourismus in dieses noch recht günstige Land Einzug halten. Wer sich für einen Urlaub in Albanien entscheidet, muss unbedingt den wirklich leckeren und recht dunkel gefärbten Berghonig probieren und mitnehmen! Neben der Mittelmeerküche sind Kürbis- und Zuchinikuchen ein kulinarisches Muss bei einem Besuch. Einen Rezeptvorschlag für einen solchen Kuchen findet ihr in den nächsten Tagen auch auf meinem Blog unter der Kategorie „Essgelüste“.

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Eine Antwort zu “Ein Must See am Mittelmeer: Albanische Berg- und Strandwelten

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