Essen wie beim Sultan – Hühnchentajine mit Feigen, dazu Safran-Mandel-Cous Cous und Umm Ali

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Wenn die Tage kürzer werden, dann ist es auch wieder die Zeit gekommen für deftige Schmorgerichte. Die werden bei mir in der Tajine gemacht. Das ist ein nordafrikanischer Lehmtopf mit spitzem Deckel. Das feinporige Lehmmaterial verhindert das Anbrennen und lässt den Inhalt garen. Die Zutaten werden je nach Garzeit übereinander gelagert. Im Deckel befindet sich eine kleine Vertiefung, in welche Wasser gegeben wird. Dadurch verdampft die Flüssigkeit im Inneren nicht, sondern kondensiert und bleibt im Topf. Traditionell wird das Gericht auf einem Holzkohlestövchen zubereitet. Wenn man kein offenes Feuer verwendet tut es auch ein Römertopf. (Ich nutzt meine Tajine ansonsten übrigens als Früchtekorb!)
Ich mariniere das Hühnerfleisch über Nacht, dadurch färbt es sich rosa und bekommt einen kräftigen Geschmack. Bisher ist es bei allen „Essern“ ausgezeichnet angekommen (obwohl man das marinierte Fleisch üblicherweise grillt und nicht schmort).
Für die Marinade braucht man (reicht für 500 – 600g Hähnchenfleisch):
2 gepresste Knoblauchzehen
1 Gemüsezwiebel (gerieben – das ist etwas nervig, da tränenreich!)
Saft einer ½ ausgepressten Zitrone
2 EL Tomatenmark
2 EL Olivenöl
Salz und Pfeffer

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Alle Zutaten werden miteinander vermischt und dann wird das gewürfelte Hühnchenfleisch darin gewendet. Abgedeckt am besten über Nacht in den Kühlschrank stellen und ab und an wenden. Außerdem kommt in die Tajine:

(neben 500 g Hähnchenbrust natürlich)
1 Zucchino (in Scheiben geschnitten)
3 Möhren (in Stifte geschnitten)
Minifeigen nach Belieben (Trockenobst)
2 EL Rosinen
Getrocknete Aprikosen nach Belieben (alle Trockenfrüchte ein paar Stunden vorher in heißes Wasser legen)
200ml Hühnerbrühe (oder etwas weniger, wenn die Tajine nicht groß genug ist)
2 EL Olivenöl
Salz und Pfeffer

Die Tajine mit dem Öl nach und nach auf dem Ofen erhitzen (nicht auf die heiße Herdplatte stellen, sonst ist die Gefahr groß, dass sie zerspringt), dann erst das Gemüse und dann das Fleisch anbraten. Alle restlichen Zutaten dazu geben, salzen und pfeffern und dann bei mittlerer Hitze ca. 20 Minuten garen lassen. Der Deckel muss dabei geschlossen sein.

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Dazu gibt es einen leckeren und schnell gemachten Cous-Cous mit Rosinen, gerösteten Mandeln und Pistazienstücken. Ich würze den Cous-Cous oft mit Curcuma, etwas Safran und Zimt.

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Das klingt alles schon sehr lecker (und ist es auch), aber das Dessert setzt noch einen oben drauf! Es ist ein traditionelles ägyptisches Dessert, das es schon seit ewigen Zeiten gibt und fest in der ägyptischen Küche verankert ist. Übersetzt heißt das Gericht „Mutter von Ali“ – denn in traditionellen arabischen Familien ruft man eine Frau, die ein Kind geboren hat immer „Mutter von …“

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Das Dessert „Umm Ali“ geht auf eine Geschichte aus dem 13. Jahrhundert zurück. Damals begab es sich, dass der Sultan starb und Ägypten führerlos war. Seine Frau Shajjar Al-Durr, die früher seine Sklavin war, übernahm klug und weise die Regierungsgeschäfte. Der Kalif in Bagdad fand diese feministische Führung in Ägypten suspekt und sendete einen schnuckeligen Kerl names Aybak nach Kairo, um die mutige Regentin zu heiraten und ihr zu helfen. Daraus wurde allerdings eine Liebesgeschichte und sie überzeugte Aybak sich von seiner ersten Frau, die man Umm Ali rief – zu trennen. Nach sieben Jahren war dann doch nicht mehr alles so rosig und Shajjar Al-Durr tat, was man damals eben tat: sie ließ ihn umbringen. Daraufhin hatte Umm Ali genug und ließ die ägyptische Herrscherin als Rache für Aybak von ihren eigenen Dienerinnen todschlagen. Praktischerweise war nun ihr Sohn Ali der nächste auf dem Thron. Zur Feier des Tages ließ sie dann dieses reichhaltige Dessert in den Straßen von Kairo ausgeben, das man bis heute dort kaufen und genießen kann.
Und das ist drinnen:
4 Croissants
450 ml gesüßte Kondensmilch
2 Pck. Vanillezucker
2 Vanilleschoten
500 Wasser
100g Kokusraspeln
Zimt
Mandeln, gehackte Walnüsse & Cashewnüsse, Pistazien, Rosinen nach Belieben

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Die Croissants in Stücke rupfen, in eine Auflaufform geben und den Ofen auf 200 Grad vorheizen. Konsensmilch, Wasser, Zucker und Vanilleschoten zum Kochen bringen und dann 5 Min bei kleiner Flamme köcheln lassen. Die Kokosnussraspeln und die Nussmischung auf den Croissants verteilen und dann die Milchmischung vorsichtig darüber gießen. Das Ganze für 15 min backen lassen und zum Schluss nochmal mit Pistazien und Zimt bestreuen und dann: schmecken lassen!

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Mein Rezept ist ispiriert aus dem tollen Streetfood-Buch „Snackistan“  mit leckeren orientalischen Köstlichkeiten.  Dort kann man auch die Geschichte von Umm Ali im Detail nachlesen!

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5 Antworten zu “Essen wie beim Sultan – Hühnchentajine mit Feigen, dazu Safran-Mandel-Cous Cous und Umm Ali

  1. Mmmh, da läuft mir das Wasser im Munde zusammen. :-O Ich habe Tagines und Couscous erst auf meiner Marokko-Reise letztes Jahr kennen- und lieben gelernt. Leider habe ich (noch) keine eigene Tagine, aber immerhin das Couscous werde ich bestimmt bald mal ausprobieren, und auch das Dessert klingt total lecker. 🙂

    Bin bei Ina’s „Cook together“-Projekt auf dich gestossen und bin begeistert von Deinem Blog. Schaue zukünftig bestimmt öfter vorbei und freue mich auf neue Rezepte 🙂

    Herzliche Grüsse aus der Schweiz,
    Slunicko

  2. Liebe Ulli, wie geschrieben, kann man auch einen Römertopf nehmen (der ist nicht aus Lehm, sondern Ton und man kann ihn deshalb nicht auf ein Feuer stellen – aber das mache ich meist mit der Tajine auch nicht). Liebe Grüße, Maria

  3. Das hört sich unfassbar lecker an, ich liebe Gerichte, die süß und salzig vereinen. Schade, leider hab ich keine Tajine… aber vielleicht geht das ja auch in einem anderen Topf? Liebe Grüße zu dir, Ulli

  4. Liebe Katharina, ich bin gespannt, wie es euch schmeckt! Man kann das auch mit Blätterteig machen, aber Croissant sind die schnellere und genauso gute Variante. Die sind mit Napoleon nach Ägypten gekommen….

  5. Hallo Maria,

    mmmmh, da läuft mir das Wasser im Mund zusammen! Ich hätte so gerne eine Tajine, habe aber einen Induktionsherd und da geht das ja leider nicht (aber interessant zu wissen, wofür die kleine Mulde im Deckel ist, das wusste ich gar nicht!). Das Dessert wird dieses Wochenende ausprobiert, das klingt einfach zu lecker (und ich finde es wirklich lustig, dass Croissants den Weg in die Ägyptische Küche gefunden haben :)).

    Liebe Grüße

    Katharina

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