Kuklainegypt in Egypt

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Endlich finde ich die Zeit meine kurze Reise nach Ägypten zu reflektieren und etwas davon aufzuschreiben. Kairo im Frühling 2015 – vor drei Jahren habe ich das nach-revolutionäre Land verlassen. Seitdem bin ich nur sporadisch zurückgekehrt. Viel ist in der Zwischenzeit passiert, die meisten Leute würden sagen, dass es nichts Gutes war. Ich habe lange überlegt, was das für ein Post werden soll. Ein politisches Plädoyer für Demokratie und die Einhaltung der Menschenrechte? Ein trauriger Rückblick auf eine verkorkste Revolution und die politische Stagnation in Ägypten? Ein Aufschrei, weil so viele junge, intelligente und engagierte Aktivisten in großer Zahl und teilweise ohne ordentlichen Prozess im Gefängnis sitzen und sich wegen ihrer Enttäuschungen um einen friedlichen Weg in Richtung Demokratie radikalisiert haben? Wütende Worte, weil viele Menschen hier in Deutschland ihre billigen Urlaubsziele in Gefahr sehen, ihnen jemand, der dort für „Ordnung und Stabilität“ sorgt, lieber wäre und die nun auch noch aus Angst vor Überfremdung im eigenen Land lieber mal vorsorglich auf die Straße gehen – denn man weiß ja nie, wie nah dieser Nahe Osten einem kommt…. Natürlich hätte idealerweise vieles ganz anders laufen müssen. Ist es aber nicht. Ist es im Übrigen auch nicht in Europa. Bis die zentraleuropäischen Staaten stabile Demokratien wurden, mussten einige (auch gescheiterte) Revolutionen und sogar Weltkriege, die unsägliches Leid über die Zivilbevölkerung brachten, über den „Kontinent der Aufklärung“ hinwegfegen. Außerdem gingen dort die Demokratisierungsentwicklungen mit dem industriellen Zeitalter einher, der einer wachsenden Mittelschicht stabile Einkommensverhältnisse bescherte. Ich halte es deshalb für ziemlich hochnäsig, wenn man mit der europäischen Brille in den diversen Meinungsmedien vom „Arab Winter“ als der stagnierenden, kalten und düsteren Periode in der arabischen Demokratieentwicklung spricht. Dazu passt jetzt natürlich auch noch das Bild der mordenden IS-Kämpfer. Blöd aber auch, dass man in den Irak einmarschieren musste. Und blöd auch, dass man die demokratischen Kräfte in Syrien 2011 nicht stärker unterstütz hat – so wie in Libyen – da war es offensichtlich kein Problem einiger westlicher Staaten mitzuhelfen, den langjährigen Despoten Gaddafi zum Fall zu bringen. (Anmerkung: ich weiß, dass das Libyen bisher auch nicht zu einer Demokratie gemacht hat!). Dennoch zeugt es von einer gewissen Doppelmoral wie sie aus der arabischen Perspektive Charakteristisch für die Außenpolitik vieler europäischer Staaten ist. Ich merk schon, ich schreibe mich gerade in Rage und höre deshalb jetzt mal lieber wieder auf damit und zeige euch stattdessen, die vielen kleinen wunderbaren Dinge in Kairo – einer Stadt, der ich mit Haut und Haaren verfallen bin. Ich zeige euch keine Pyramidenfotos, sondern die kleinen, leisen Eindrücke, die ich in drei Tagen Konferenzkurztrip gesammelt habe. Dazu gehört natürlich auch eine Auswahl meiner Lieblingsshops!

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Oum El Dounia ist ein beliebter kleiner Laden für ägyptische Volks- und Handwerkskunst mitten im Stadtzentrum – nicht weit weg vom ägyptischen Museum. Oum El Dounia ist auch einer der Beinamen von Kairo und bedeutet „Mutter der Welt“. Ja das ist schon passend für diese riesige und widersprüchliche Stadt. Es erinnert mich immer an das Zitat: „Hast du Kairo nicht gesehen, so hast du die Welt nicht erblickt.“ Vom kleinen Balkon des Ladens in der ersten Etage eines unscheinbaren Gebäudes schaut man direkt auf den berühmt gewordenen Tahrirplatz. Dort bekommt man auch gerne eine Tasse Tee serviert und kann etwas verweilen. Der Laden bietet ein buntes Sammelsurium an Keramik, Handgemachtes, Stoffen und eine gute Auswahl an Büchern mit dem Themenfokus Ägypten. Wer sich auf den Weg ins Museum macht, sollte unbedingt auch dort vorbeischauen (ca. 3 min Fußweg): 3, Talaat Harb Street (jeden Tag geöffnet).

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Mein absoluter Liebling in Kairo vor allem zum Einkauf von meiner heiß geliebten ägyptischen Keramik mit ihren naiven Naturmotiven ist Fair Trade Egypt. In diesem Laden im schicken Botschaftsviertel Zamalek werden Waren aus den Oasen und weit abgelegenen Gebieten Ägyptens angeboten. Das Geld fließt größtenteils zurück in die Gemeinschaften und unterstützt die lokalen Communities vor Ort. Der Laden ist etwas versteckt in einer Seitenstraße 27, Yehia Ibrahim. Er befindet sich im ersten Geschoss, Apartment 8. Die Wegsuche lohnt sich. Der Laden ist täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet.

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Wer den etwas luxuriöseren orientalischen Wohnstil bevorzugt, schaut auch auf Zamalek in der Caravanserai vorbei. Dort werden wunderschöne Wohnaccessoires des Designers Hadeel Messallam angeboten. Der Laden befindet sich in der mit vielen weiteren kleinen Läden gespickten Ahmed Heshmat Straße (Nr. 15).

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Mein Lieblingsmitbringsel von dieser Reise ist ein neues buntes Kissen mit traditionellen ägyptischen Figuren bestickt. Gekauft in Oum El Dounia.

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Gegessen habe ich in meinem Lieblingsrestaurant – einem wunderschönen Libanesen Taboula in Garden City (1, Latin American Street). Mhhhh

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Eine Antwort zu “Kuklainegypt in Egypt

  1. Schöne Erinnerungen an wundervolle Besuche bei Dir in Kairo, gutes Essen, Blicke auf den Tahrir, spannende Eindrücke von Stadt und Menschen … und gut, dass Du Dich oben in Rage geredet hast, das muss alles auch gesagt sein!

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