Schlagwort-Archive: Hellerau-Schreibtisch

Neues Homeoffice mit selbstgemachten Ponpons

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Ich arbeite ab nächsten Monat wieder wie zu Zeiten als ich promoviert habe öfter von zu Hause aus. Deshalb habe ich mir mein Büro zu Hause etwas verschönert. Ich habe mir ein paar hilfreiche Homeoffice-Utensilien besorgt. Außerdem habe ich mir eine Pinnwand gebastelt, an der ich die wichtigsten Dinge immer sichtbar vor mir habe. Eine weitere Freude für meine Augen ist die kleine Ponpon-Sammlung, auf die ich blicke, wenn ich meine Augen weg vom Laptop wende. Die beiden großen Papierbälle sind natürlich gekauft, aber die zwei kleinen habe ich selbst aus Papierservietten gebastelt. Das geht ganz einfach und hat einen wunderbaren Effekt. Die Anleitung zum Basteln für einen Halbkreis findet ihr hier: https://www.youtube.com/watch?v=BUlJnTkQ5r8. Ich habe zwei davon zu einer Kugel zusammengeklebt. Damit geht es jetzt rüber zum Creadienstag.

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Möbel im Geiste der Maschine

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Diesen Post habe ich schon eine ganze Weile im Kopf, aber es hat etwas gedauert, bis ich ihn aufgeschrieben habe, denn er war mit etwa Recherche verbunden. Den Ausschlag für diesen Post gab mir ein Museumsbesuch im Pillnitzer Schloss in Dresden, denn dort bin ich in das Schaudepot der Deutschen Werkstätten Hellerau hineingeraten…

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…und stand plötzlich vor meinen Möbeln, die ich zu Hause habe. Das war ein ziemlich merkwürdiges Gefühl und eine ganz neue Perspektive, wenn man seine Möbel als Museumsstück betrachtet…

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Der Besuch hat mich inspiriert, mich etwas ausführlicher mit der Designtheorie der 50er und 60er Jahre zu beschäftigen. Die Möbelwerkstätten in Hellerau, wo meine Möbel gefertigt wurden, sind aus einem Zusammenschluss von Handwerkern, Malern und Architekten Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Solche Werkstätten für Handwerkskunst gab es einige in Deutschland. Sie hatten das Ziel, den neuen Herausforderungen der industriellen Möbelfertigung zu begegnen und moderne Möbel ohne aufwendigen Schmuck und mit einer einfachen Formsprache zu schaffen. Unter Verwendung von qualitativ hochwertigen Rohstoffen und einer sorgsamen Fertigung sollten für die breite Masse bezahlbare Möbel entstehen. Es war klar, dass dies nur durch eine maschinelle Fertigung von einer hohen Stückzahl erreicht werden konnte. So entstand ein „Möbelstil aus dem Geiste der Maschine“ und die Form wurde aus dem Arbeitsprozess heraus entwickelt.

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Das bekannteste Ergebnis dieses Arbeitsprozesses sind die in Hellerau entwickelten Additionsmöbel. Über die Grenzen der damaligen DDR hinaus wurde der 1956 vom Bauhaus-Schüler Franz Ehrlich entwickelte Typensatz 602 bekannt und zählt heute zu den DDR-Designklassikern, die vom Bauhaus inspiriert und am internationalen Design orientiert waren. Die minimalistischen Entwürfe zeichnen sich durch eine klare Linienführung aus, die nur für abgerundete Schubkästen unterbrochen werden. Bei dem Typensatz 602 handelt es sich um ein modulares System mit 15 „komplettierungsfähigen Einzelmöbeln“, die je nach Wunsch zusammengewürfelt werden konnten. Auf diese Weise wurde der Nutzer der Möbel auch gleichzeitig zu einem Gestalter, denn zu den Grundüberzeugungen des Bauhauses und der Deutschen Werkstätten Hellerau gehörte, dass sich die Architektur und die Gestaltung dem schöpferischen Einsatz derjenigen öffnen sollten, für die sie gedacht waren und hergestellt wurden. Möbelgestaltung wird zu einem kollektiven Prozess zwischen Herstellern, Designern und Nutzern erhoben. Derjenige, der den Gestaltungsprozess beendet, ist der Nutzer der Möbel und nicht der Hersteller. Aus dieser Serie habe ich verschiedene Teile bei mir zu Hause stehen u.a. Couchtisch, Schreibtisch und diverse Schränke:

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Allerdings kam die moderne Formsprache dieser Möbel bei dem Politkader sehr viel weniger gut an, als bei den Nutzern der Möbel. 1955 gab die Deutsche Bauakademie eine Schrift unter dem Titel „Anbaumöbel: Kritische Betrachtung“ heraus und setzte somit den Startpunkt für die sogenannte Formalismusdebatte. Dabei wurden vorindustrielle Formideale der Möbelgestaltung hochgehalten und die Additionsmöbel als Ausdruck des „Verfalls der künstlerischen Anschauungen“ im Kapitalismus deklassiert. Diese Perspektive hat ihren Ursprung in der Orientierung an das stalinistische Modell von Kultur- und Kunstpolitik, bei der Kultur und Kunst zu Medien einer ideologischen Abgrenzung von westlichen Gesellschaftsmodellen betrachtet werden. Die Formästhetik der Additionsmöbel wie dem Typensatz 602 war in den Augen der politischen Elite „nicht gestaltungsfähig“. Die Dekorlosigkeit der Möbel verhindere jegliche Differenzierungsmöglichkeit und leiste somit dem Kosmopolitismus Vorschub. Mit dieser Argumentation, die Möbel zu einem Symbol nationaler Identität machen sollte, wurde die Produktion des „kosmopolitischen“ Typensatzes 602 recht schnell wieder eingestellt. Mit der von der SED-Führung eingeleiteten Formalismusdebatte setzte ein faktisches Verbot des produktiven Aufhebens des Bauhauserbes in der DDR ein, das erst in den 1970er Jahren aufgebrochen wurde.
Als Quellen für diesen Post habe ich die Erläuterungen in der Schaustellung in Pillnitz sowie folgende Bücher verwendet: Höhne, G. (2007). Das große DDR-Lexikon. Köln: Komet; Höhne, G. (2009) (Hg.). Die geteilte Form: Deutsch-deutsche Designaffären 1949-1989. Köln: Fackelträger.

Stühlchen wechsel dich

Labofa Schreibtischstuhl

Ich schaue ab und an in Secondhand-Kaufhäusern vorbei und bei meinem letzten Besuch ist mir ein besonderes Schätzchen in die Hände gefallen: ein alter Architektenstuhl der Firma Labofa. Er stammt wahrscheinlich aus den 1960er oder 1970er Jahren. Er wurde von Labofa designt und unter dem Namen „Colour“ verkauft, denn er wurde in verschiedenen Farben hergestellt. Ein bekanntes Zitat von dem Architekten Ludwig Mies van der Rohe, der auch Stühle designt hat, lautet: „Es ist einfacher, einen Wolkenkratzer zu entwerfen als einen Stuhl“. Bei diesem Stuhl hat der Designer jedenfalls alles richtig gemacht. Man sitzt hervorragend auf ihm und kann die Sitzhöhe entsprechend anpassen. Außerdem sieht er wahnsinnig schick in Kombination mit meinem Hellerau-Schreibtisch aus. Allerdings habe ich nicht so schnell wieder vor, so viel Zeit vor dem Schreibtisch zu verbringen, wie in den letzten Monaten! Übrigens, der Stuhl hat mich so gut wie nichts gekostet. Es lohnt sich also immer mal in Sozial und Secondhand Kaufhäusern vorbei zu schauen – manchmal findet man kleine und große Schätze!

Labofa trifft Hellerau

Architektenstuhl

Mein Schreibtisch – mein Lieblingsstück

Heute möchte ich eines meiner Lieblingsstücke vorstellen. Ich habe es von meinem Opa geerbt, der daran seine Lebensgeschichte aufgeschrieben und deshalb viele Stunden daran zugebracht hat. Auch ich habe in den letzten Jahren viel Zeit an diesem Ort und mit diesem Möbelstück verbracht. Er hat mir die vielen anstrengenden Stunden davor versüßt und ich finde ihn wunderschön. Es ist mein Hellerau-Schreibtisch Typ 602, nach einem Entwurf aus dem Jahr 1957. Ich kann das Herstellungsdatum leider nicht mehr entziffern, allerdings weiß ich, dass er damals für 217,50 DM zu haben war. Das heißt auch, dass der Schreibtisch vor 1964 gebaut wurde, denn danach wurde die DDR-Binnenwährung umbenannt in Mark der deutschen Notenbanken und später dann in nur noch Mark. Er wurde in den Deutschen Werkstätten Hellerau bei Dresden hergestellt und gehört zu den DDR-Designklassikern. Die Werkstätten, bei denen Handwerkskunst großgeschrieben wurde, wurden 1898 gegründet. Bald wurde mit dem Namen Hellerau eine designorientierte industrielle Möbelherstellung verbunden. Dabei gingen viele Entwürfe der Typenmöbel dem späteren Bauhausdesign voraus. Einer der führenden Möbeldesigner, der auch für das Design meines Schreibtischs verantwortlich ist, war Franz Ehrlich. Er studierte am Bauhaus, war Schüler u.a. von Paul Klee und arbeitet mit Walter Gropius zusammen. Er hat sich neben einem aufwühlenden politischen Leben vor allem der Architektur und dem Design von formschönen und zugleich erschwinglichen Möbeln gewidmet. Charakteristisch für seine Holzmöbel, die meist aus Senesche hergestellt werden, ist die hohe Funktionalität kombiniert mit schlichtem puristischem Design. Leider sind viele dieser Möbelstücke auf dem Sperrmüll gelandet. Falls ihr also das ein oder andere Stück noch bei Oma findet, dann unbedingt pflegen und peppeln! Die Hellerau-Möbelserie bringt einen unverwechselbaren Retro-Chic in deine Wohnwelt und versprüht gleichzeitig eine hochwertige Designeleganz. Ich habe noch ein paar weite Schätze aus dieser Serie, die ich später auch noch vorstellen werde.

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